Robert Silverberg zu Gast beim SF-Stammtisch Stuttgart

Der Discord-Lesezirkel ist ein regelmäßiger monatlicher Bestandteil im Jahreskalender des Stuttgarter SF-Stammtischs. Monatlich wird in kleiner, aber treuer Runde über zuvor ausgewählte Romane und Kurzgeschichten diskutiert. Auf der Liste für 2026 stand für den Monat März der Roman Es stirbt in mir (Dying Inside, 1972) von Robert Silverberg.

Das Besondere in diesem Fall war, dass der Autor selbst an dem Gespräch teilnahm, per Video zugeschaltet von seinem Wohnort in Kalifornien. Robert Silverberg, mittlerweile 91 Jahre alt und nicht mehr schriftstellerisch aktiv, ist zweifellos einer der bedeutendsten Autoren der Science Fiction überhaupt. Zugleich ist er dem Fandom mit großer Anteilnahme und Sympathie zugewandt, seit vielen Jahrzehnten ein Stammgast auf Worldcons und ein kluger, eloquenter Erzähler auf unzähligen Con-Panels.

Zu verdanken hatte der Discord-Lesezirkel den Besuch Silverbergs vor allem dem Engagement und Organisationstalent des langjährigen amerikanischen Stammtischmitglieds Gary Lynch. Er nahm 2025 auf dem Worldcon in Seattle persönlich Kontakt zu Silverberg auf und lud ihn kurzerhand in die digitale Gesprächsrunde der Stuttgarter ein. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte dieser zu, unter der Voraussetzung, dass ihm jemand Discord erklärte. Am Ende wurde es aus technischen Gründen Zoom, was am Ablauf und der lockeren Atmosphäre natürlich nichts änderte.

Nach einer kurzen Begrüßung und dem technischen Setup durch Roberts Frau Karen Haber entwickelte sich ein angeregtes Gespräch zwischen Silverberg und den Teilnehmenden des Lesezirkels. Trotz seines hohen Alters beeindruckte Robert die Runde durch seine ungebrochene Eloquenz, Lebensklugheit und einen scheinbar unerschöpflichen Fundus an Anekdoten aus vielen Jahrzehnten Genreleben und Schriftstellerkarriere. Das Gespräch drehte sich hauptsächlich um seinen berühmten Roman, darüber hinaus aber auch um die Entwicklung des Genres und seine eigene Laufbahn als Autor.

Es war, wie er selbst zugab, durchaus ein ungewöhnlicher Moment, mehr als fünfzig Jahre nach dem Schreiben des Romans mit deutschen Leserinnen und Lesern über dieses Buch zu sprechen, vermittelt durch eine Technologie, die in den 1970er Jahren selbst noch wie Science Fiction gewirkt hätte.

Nach etwa zwei Stunden eines lockeren und inspirierenden Austauschs wartete im fernen Kalifornien das Mittagessen im Hause Silverberg/Haber, und der Gast verabschiedete sich, nicht ohne sich für die nette Atmosphäre und das gute Gespräch zu bedanken.

Vielleicht gibt es in keinem anderen Genre einen so nahbaren und ungezwungenen Austausch zwischen Autoren und Lesenden wie in der Science Fiction. Jeder kann dies auf einem Worldcon selbst erleben, doch eine Gesprächsrunde mit Robert Silverberg war selbst für gewohnte Con-Besucher ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird.

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